Frau Dr. Rosa Scheuer-Karpin


Sie ist im Frühjahr 2013 im hohen Alter von 100 Jahren verstorben.
 

Auf Besuch  - 

Fotos  - 

Ihre Lebensgeschichte


Am 14. Oktober 2000 besuchten wir das erste Mal die kleine aber großartige Frau mit dem sehr freundlichen Wesen. Sie erzählte uns, wie sie damals die erste Rex-Katze "Lämmchen" in Berlin fand, welch ein Aufsehen sie mit ihr weltweit erregte, wie die Zucht der Deutschen Rex begann, wie sie das Klinikpersonal regelrecht bettelte, von ihr Jungtiere abzunehmen und mit wem sie korrespondierte.
Sie lebte 25 Jahre in England und kam vor einigen Jahren nach Deutschland zurück.
Während des Gespräches drehten wir einen Videofilm.
Wir erfuhren viele Neuigkeiten über Lämmchen u.v.m.

Am Ende unseres Besuches erhielten wir das Archiv der German-Rex-Zucht und das "Lämmchentagebuch".
Seitdem besuchten wir die Begründerin jährlich, bis 2004.


Frau Dr. R. Scheuer-Karpin
1951

Frau Dr. R. Scheuer-Karpin mit ihrem ersten Wurf von Lämmchen

2001


Andrea Edel & Frau Dr.
2001



Mrs. Dr. Scheuer-Karpin, Mrs. Jänicke
& Mr. Weckerle


 



Besuch vom 31.05. bis 01.06.2003

Frau Dr. mit GRX Exoty-Rex vom Batu

Züchter unseres Clubs im Garten der Ärztin

Vor dem Wohnhaus, wir nehmen Abschied

Übernachtung im Gästehaus Schmidt

Und auch der Kater fühlte sich sichtlich wohl



Ihr Leben wurde von Laboratorien und Rexkatzen geprägt.

Die kleine, zierliche Frau erzählt aus ihrem langen und bewegten Leben. 
Nachdenklich grault sie dabei des Nachbars rotgetickten Hauskater. Ein Dauergast, der sich gern bei Ihr ein warmes Plätzchen sucht, Streicheleinheiten abverlangt und auf ein übrig gebliebenes Häppchen wartet.

"Meine Memoiren heißen Katzen, Mikroskope und Musik" erzählt Frau Dr. Rose Scheuer-Karpin, der vor über 50 Jahren das erste gelockte Kätzchen (Lämmchen) in Berlin Buch über den Weg lief. Inzwischen verbringt die 91-jährige Medizinerin ihren Lebensabend in Öhringen.

1912 wurde die kleine Rosa im ehemaligen tschechischen Freistadt als Tochter einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Schon sehr früh zeigte sie ein großes Interesse nicht nur für Katzen, sondern auch für die naturwissenschaftlichen Fächer wie Biologie und Chemie. 
So studierte sie an der Deutschen Universität in Prag Medizin und kam als Assistenzärztin nach Ostrau. Doch dort konnte sie durch ihre jüdische Herkunft nicht bleiben. Sie floh mit ihren Verwandten nach Polen und hoffte auf die Ausreise.

Viele dramatische Geschichten weiß sie zu erzählen, doch die damals junge Medizinerin hatte auch Glück im Unglück und erhielt in dieser katastrophalen Zeit ein Visum, und so gelang sie 1939 nach England. Dort durfte sie in Greenwich in einem Krankenhaus arbeiten, lehrte an der "Medical School" für Frauen und erlebte dort die vielleicht besten Jahre ihres Lebens.

Zum Kriegsende kehrte sie mit blutendem Harzen in die damalige Tschechoslowakei zurück. Leider schlug ihr auch dort Antisemitismus entgegen und Frau Dr. Scheuer-Karpin entschloss sich nach Dresden zu gehen. Dort lernte sie den späteren Mediziner Dr. Horst Benzing kennen. 

Die Medizinerin lebte bis 1970 in der DDR. Sie leitete Kliniken, baute Laboratorien auf und setzte ihr in England erworbenes Fachwissen ein. 

1951 nahm sie Lämmchen auf, die schwarze (eigentlich schwarz-weiße) Katze mit dem ondulierten Fell.  Ihr Kollege und Freund Dr. Benzing fotografierte ihr besonderes Kätzchen. Durch Zucht gelang es ihr zu belegen, dass das gelockte Fell rezessiv vererblich ist.

1970 durfte Frau Dr. Scheuer-Karpin aus der DDR ausreisen und ging zunächst nach Israel, wo auch  ihre Cousine ihr Zuhause fand. 
Danach lebte die Ärztin für 15 Jahre wieder in England und arbeitete insgesamt 75 Jahre in ihrem Traumberuf. Danach musste sie nach Deutschland zurückkehren um ihre Rente zu beziehen und hinterließ wiederum schweren Herzens Haus, Hab und Gut in England. 1986 zog sie dann nach Öhringen, denn hier kannte sie die Frau ihres früheren Kollegen Dr. Benzing.

"Ich habe in meinem Leben mehrmals von der Pike an und ohne Geld neu angefangen." erzählte sie mit etwas traurigem Blick, aber dennoch ohne Bitterkeit.

Nun führt sie ein ruhiges Leben in einer hübschen kleinen Wohnung mit Garten und verbringt ihren Alltag mit der Zucht von Pflanzen und dem Hören von guter klassischer Musik. Außerdem ist sie ein großer Fan von Shakespeare. So erhielten auch ihre ersten Kätzchen die entsprechenden Namen wie "Cäsar" "Hamlet" und "Cleopatra".  
Auch ist ihre Wissbegierde in der Naturwissenschaft noch immer unerschöpflich. Es  stapeln sich noch immer Bücher auf ihrem Schreibtisch und sie empfängt Telefonate von ehemaligen Studenten die sie einst belehrte.

Die Frau mit dem fröhlichen und zufriedenen Lächeln blättert etwas verträumt und nachdenklich in ihrem Katzenalbum, erzählt uns mit voller Begeisterung von ihren Erlebnissen mit ihren schnurrenden Vierbeinern. 
Sie ist ein Katzenfreund mit Leib und Seele und so unterstützt sie auch jetzt noch mit finanziellen Mitteln den Tierschutz (Katzen) in Israel.

Ein Dank an die kleine aber großartige und bescheidene Frau
DR. ROSE SCHEUER-KARPIN 

Ilona Jänicke



19.07.13
© by I. Jaenicke und Andrea Edel