Katzen und Menschen

© Autor: Jeannette H. Boertien, Archäologin aus Leiden, Holland.

Interessante Fotos zu diesem bericht finden Sie auf der Webseite der Archäologin



Katzen und Menschen fanden schon vor 9000 Jahren einander !

Bis jetzt dachte man, dass die Katze um 4000 v.Chr. im alten Ägypten domestiziert* wurde wurde, und sich von dort aus über die ganze Welt als Gesellschaft der Menschen verbreitete.

Dieser Artikel beweist, dass die Katze schon 3000 Jahre früher domestiziert wurde als man im Allgemeinen annimmt. Um 7000 v.Chr. gab es schon domestizierte Katzen im Jordan-Arava-Graben in der Levante.

Als Archäologin, die Katzen liebt und dabei auch noch Katzen züchtet, wollte ich schon lange wissen, Seit wann haben Menschen Katzen?

Als man mich damals im Jahr 2000 bat, einen Artikel über die ältesten Katzen der Welt für die holländische Katzen-Zeitschrift „Kattenmanieren“ zu schreiben, hatte ich richtig Inspirationen, dieses Thema endlich mal zu erforschen.

Jetzt fragte mich Ilona Jänicke, ob ich diesen Artikel ins Deutsche übersetzen könnte. Ich will gerne meine  Erkenntnisse mit den Katzenfreunden in Deutschland teilen.


Viele von uns haben schon mal von den Katzen im alten Ägypten gehört. Man redet dabei über die Zeit um 2000 v. Chr., aber das ist, im Zeitraum der Vorgeschichte betrachtet, nicht so alt.

Ich hatte die Idee, dass Menschen und Katzen von der Zeit an zusammen lebten, seit der Mensch die Katze braucht, oder die Katze den Menschen.

Der vorgeschichtliche Mensch lebte als Jäger und Sammler. Diese Menschen zogen von Ort zu Ort und hatten keine Katzen. Eine Katze von einem Jagdgebiet zum anderen mitzunehmen ist schließlich eher unpraktisch.

Meine Folgerung war, dass der Mensch der Getreide anbaut und einlagert auch die Mäuse anzieht.

Katzen fressen diese kleinen Nagetiere, daher suchte ich diese Frühkatzen in den Siedlungen der ersten Bauern der Welt.

Katzen sind bekanntlich nützlich, wenn man Mäuse hat. Sie fangen und verjagen kleine Nagetiere.

Getreide wurde erst nur gesammelt, aber ab ca. 7000 v. Chr. genügte das Jagen und Sammeln nicht mehr und die Menschen fingen an Getreide anzubauen.

Diese ersten Bauern der Welt wohnten im Levantinischen Korridor, dem Ort, an welchem sich der Beginn der Zivilisation, die ersten Züchtungen von Kulturpflanzen und die Domestikation von Haustieren sowie der Beginn des Städtebaus wohl am eindrücklichsten verfolgen lässt. Genauer gesagt handelt es sich dabei um den Tell es-Sultan (Tell = arab. für Hügel) nahe der heutigen Oase von Jericho.

An diesem Schnittpunkt menschheitsgeschichtlicher Entwicklungsströme wohnten die ersten Menschen, die neben Jagen und Sammeln auch Landbau betrieben.

Dieses Gebiet kenne ich gut, da ich dort als Archäologin arbeite. Das Zeitalter, in dem ich die ältesten Katzen vermutete, ist nicht die Periode in der ich gewöhnlich arbeite, aber desto spannender war diese Forschung.

In den ausgegrabenen Siedlungen bin ich oft gewesen und manchmal, als ich dort über die Trümmer kletterte, dachte ich, wie haben diese Menschen damals gelebt?

 Eine neue Forschungsarbeit nach dem Ursprung der Katze hatte angefangen!

Mein Ausgangspunkt für diese Forschung nach der Ur-Hauskatze innerhalb der menschlichen Gesellschaft war die Idee, dass Tiere und daher auch die Katze, in der Vorgeschichtlichen Gemeinschaft nützlich waren. Meine Annnahme ist dabei dass der Mensch diese Tiere auch liebte, genauso wie wir unsere Tiere lieben. Ich glaube, dass das Gefühl dieser vorgeschichtlichen Menschen nicht so viel anders war, als das von uns.
 

Das Zeitalter und der Ort

Die Periode zwischen 2000-5000 v. Chr. nennt man in der Levante das Vorkeramische Neolithikum  (Neolithikum = Frühe Steinzeit, abgekürzt als PPNB = Pre Pottery Neolithic).

Diese frühen Bauern hatten noch kein irdenes Geschirr, aber sie nutzten Geschirr aus Stein und Holz.

In diesem Zeitalter fing der Mensch an zu produzieren statt zu sammeln. Da man nicht mehr genug jagen konnte legte man sich einen Vorrat an. Nicht nur Getreide sondern auch lebendige Tiere wurden als Vorrat gehalten. Man fing die wilden Tiere und baute eine Umzäunung innerhalb der Siedlung. Hier lebten diese Tiere als lebendige "Konserven" bis zu ihrer Schlachtung.

Schließlich fingen die Menschen an in ihrer Umgebung einzugreifen. Man begann zu domestizieren. Das heißt nicht nur zu fangen sondern auch bewusst zu vermehren, also zu züchten.

Die neolithischen Bauern wohnten in der Jordan Ebene. Dieses Gebiet ist ein geologischer Graben. Der nordwärts gerichtete Verlauf der Senke ist der nördliche Teil des tiefsten geologischen Grabens auf Erden. Diese Schlucht geht von Afrika bis Asien und wird auch levantinischer Korridor genannt.

Im Neolithikum war das Klima in diese Gebieten viel kühler und nicht so trocken wie heute. Als man in Europa die Eiszeiten hatte, gab es in der Levante Regenzeiten-Perioden. Wo es genug regnete konnte man Landbau betreiben.

 

Sie lebten ungefähr so.....

Man wohnte in runden aus Lehm gebauten Häuser. Der Boden dieser Häuser war tiefer als der Hof. Der Boden und öfters auch die Wände und sogar die Decke waren mit rotem Kalk angestrichen und geglättet. Der Fußbodenbelag bestand aus runden Schilfmatten. Diese Häuser hatten nur ein Zimmer. Der Durchmesser betrug 5-8 Meter. Zwischen den Häusern waren Feuerstellen. Man kochte das Essen außerhalb der Wohnung.

Da diese Bauern nicht mehr von Lager zu Lager zogen, wie vorher die Jäger und Sammler, hatten sie die Möglichkeit, sich Vorräte zu halten. Auch hatten sie jetzt die Möglichkeit große steinerne Geräte, wie Mahlsteine, zu nützen. Sie gebrauchten noch kein irdenes Geschirr, aber nützten Geschirr aus Stein und Holz. Man hatte auch Körbe (und Körbchen) die man von innen mit Bitumen bedeckte. Bitumen ist ein natürlicher Asphalt. Dieses Pech treibt im Toten Meer. Schon damals wurde es gebraucht und gewonnen um Körbe wasserdicht zu machen.

Mann lebte von Landwirtschaft und auch noch immer von der Jagd. Sehr schöne Pfeilspitzen und Sicheln sind die Zeugen die wir noch immer finden. Diese Siedlungen betrieben Handel miteinander, z.B. mit Muschelketten und Muscheln aus dem Roten- und  Mittelmehr.

Bei diese frühen Bauern-Gemeinschaften suchte ich nach dien Spuren der Katze.

Einige dieser alten Siedlungen sind ausgegraben.

In diesen Ausgrabungen suchte ich nach Beweisen für die Anwesenheit der Katze.

Was sollte man denn suchen?

Zum ersten sucht man nach den Überbleibseln der Katze, den Knochen.

In den Ausgrabungen von Beida, Jericho, Beisamun, Abu Gosch, Tell Ali und Malaha sind tatsächlich auch Knochen gefunden worden und man hat diese Funde auch wissenschaftlich veröffentlicht. 

Die Untersuchung von Knochen ist öfters verbunden mit der Forschung nach Speisegewohnheiten. Daher hatte man Katzen nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt. Diese Faelidae sind meist in die Kategorie der „Kleinen Karnivoren’ eingeordnet. Das macht die Katze unerkennbar in der Forschung der Vorgeschichte.

Glücklicherweise hatte ich über diese frühe Periode moderne Forschung gefunden, die die Katze separat nennen!

Wenn man ein Dorf oder eine Stadt ausgrabt und man findet verschiedene  Katzenformen ohne Schlachtspuren heißt das, dass diese Katzen innerhalb der Siedlung lebten. Sie wurden demzufolge nicht gegessen. Eine (halb) wilde Katze kann man nicht anfassen, man kann Sie nur herlocken. Oder eine Katze kommt von selbst zur Siedlung, weil es dort durch all das herrliche Getreide viele Mäuse gibt....

 Bild....

Ein anderer Beweis für die Annwesenheit der Katze könnte eine Abbildung sein. Sogar die habe ich gefunden!

Archäologen finden nicht immer unbedingt etwas in der Erde. Manchmal auch einfach im eigenen Bücherschrank!

Während der Forschung nach den neolitischen Dörfern blickte ich noch mal in eine veralterte archäologische Enzyklopädie. Ich bekam die vier Bände von meinen Vater, als er seine Bibliothek aufräumte. Es war schon spät am Abend, aber ich wollte doch noch mal schnell schauen, was man damals über Tel Ali schrieb. Ich öffnete das Buch ....und traute meinen eigenen Augen kaum. Ich konnte es fast nicht glauben. Ich sah ein Foto von einer kleinen Katzenstatue. Unter dem Bild stand: "Kleinfigur Tell Ali (PPN-B)" .

Diese Statue wurde um 7000 vor Christus gemacht! Genau die Periode wonach ich suchte.

Eine kleine Katzenstatue....

Diese Katze wurde aus Kleie gemacht und war in Tell Ali, eine der ersten Bauerndörfer der Welt, gefunden!

Dass man damals solch eine Katzenfigur herstellte, deutete darauf hin, dass die Katze einen besonderen Platz im Leben dieser Menschen hatte. Man nimmt meistens an, dass eine Gemeinschaft ein Tier nachbildet, wenn auch eine Domestikation stattfand. In jedem Fall fühlte man in diesem Dorf etwas Besonderes für die Katze.

Bis dahin hatte ich schon die Knochen und eine kleine Statue als Beweis. Ich brauchte eigentlich nur noch zwei Sachen.

Erstens: Zu überprüfen, ob man die Katze damals auch wirklich nötig hatte und
zweitens
: Daten sammeln von Katzen die jetzt noch immer in diesem Gebiet vorkommen.

Am folgenden Tag arbeitete ich an meiner Forschung nach „Meinen ersten Katzen“; wie die Untersuchung schon genannt wurde, weiter.

In der Universitätsbibliothek in Leiden fand ich eine sehr interessante Abhandlung. Es war ein weiterer Beweis für meine Hypothese, dass der Mensch damals schon bewusst Katzen hielt.
In der Neuen Steinzeit siedelten sich Menschen auf der Insel Cypern an. Diese Menschen kamen von diesen Kontinent dort hin. Diese neolitischen Bauern nahmen alles was sie brauchten mit dem Schiff vom Festland zu der Insel mit. Aus dieser Forschung, aus Cypern, war ersichtlich, dass diese Bauern auch Tiere, so wie Schafe, Ziegen, Schweine, Hunde aber auch Katzen mitnahmen. Die Katze gehörten genau wir der Hund zu den geliebten und nützlichen Tieren. Die Katze war um 7000 v.Chr. nicht mehr ein Tier welches um das Dorf herum strich, sondern es war ein Tier, dass man sich halten konnte.
Dies ist ein Beweis, dass der Mensch und die Katze damals schon ein Vertrauensband hatten.   

 

…..Und wirkliche Katzen

Es gibt verschiedene Arten von Katzen in dem heutigen Jordantal. Nicht nur Hauskatzen sondern auch eine kleine Anzahl von wilden Katzen, so wie Felis Chaus (Jungle Katze), Felis Margarita (Sand Katze) und auch die Felis Caracal, dem Wüstenluchs.

Innerhalb des Knochenmaterials kommen noch zwei Arten von Katzen vor. Die Felis Lybica (die afrikanische wilde Katze) und die Felis Silvestris (die wilde Waldkatze). All diese Katzen sind die Voreltern unserer Hauskatzen. Alle haben 19 Chromosome (19 Kernschleifen), das macht Verpaarungen möglich und gibt auch fruchtbare Nachkommenschaft. Es ist wahrscheinlich, dass man verschiedene Katzen dieser Arten zähmte und an den Mensch gebunden machte.

Domestikation gibt immer eine Gruppe mit verschiedenen Arten von Hybriden. Daneben sind bei der Domestikation in den Knochen Veränderungen sichtbar. Die Katzen werden kleiner, die Kiefer werden weniger kräftig und sie werden, wie auch die Zähne, immer kleiner. All diese Daten sind auch in den Erforschungen der ausgegrabenen Katzenknochen dieser Periode sichtbar. Domestikation gibt immer einen schiebenden Maßstab. Es ist immer schwierig zu sehen, wie weit man auf dieser verschiebenden Skala war.
Das Problem mit dem Zähmen ist, wie Maria Falkena in ihrem interessanten Buch  „Tamme wilden en wilde Tammen“ (Zähme Wilde und Wilde Gezähmte) schrieb:
 „Ja was sind es nun eigentlich? Gezähmte Wilde oder wilde Gezähmte?“


*
= Domestizierung = Tiere zu Haustieren zähmen

 

Juli 08, 2014
(c) Jeannette H. Boertien, Cattery: de Levant *NL