Lämmchen




Diese Geschichte handelt von den Zuchtanfängen mit Lämmchen. 
Die ausführliche German Rex-Geschichte lesen sie bitte unter
'Geschichte'


 

Die Begründerin der deutschen Rexkatzenzucht
Frau Dr. R. Scheuer-Karpin 2001
 

 
Folgender Bericht stammt aus dem Archiv von der Begründerin der German Rex Zucht FRAU DR. ROSE SCHEUER-KARPIN (1985)

LÄMMCHEN, die Stammutter der German Rex Katzen und ihre Nachkommen.

"Es war August 1951, als ich unter den zahlreichen verwilderten Katzen, die die ausgedehnten Parkanlagen des früheren Hufeland-Krankenhauses in Berlin-Buch bevölkerten, eine recht zahme schwarze Katze bemerkte, die mir ungewöhnlich erschien. Sie pflegte sich bei warmen Wetter zwischen den Gartenbänken zu ergehen und ließe sich sogar das gelegentliche Streicheln seitens der Patienten gefallen - zweifellos hatte sie ihre mehr materiellen Gründe für solche Duldung.

LämmchenNach entsprechender Vorstellung von meiner Seite gedieh unsere Bekanntschaft bald so weit, daß ich sie streicheln und auf den Arm nehmen durfte und so konnte ich endlich das besondere Aussehen erkennen: Das enganliegende, samtige und seidenzarte Fell war schön onduliert, wie bei einem Persianerlamm, die Grannenhaare schienen zu fehlen und die feinen Daunenhaare waren kurz und gewellt. Ihre Schnurrhaare und sogar die Wimpern waren fast wie bei einem Korkenzieher "gedreht", was ihrem Gesichtchen den so eigenartigen Ausdruck gab.

Sie hatte kurz vorher im Keller der Klinik, in deren Nähe sie sich aufhielt, Junge gehabt und nährte sie noch, wie mir eine Schwester erzählte, die sie fütterte. Doch wusste niemand, woher sie kam - möglicher weise hatte sie einer inzwischen pensionierten Schwester gehört, die das Krankenhaus im Jahre 1947 verlassen hatte. Da jedoch das wellige Fell niemanden aufgefallen war, ist es gar nicht sicher, ob jene Schwester diese oder eine andere schwarze Katze zurückgelassen hatte."

(An dieser Stelle möchte ich hinzufügen, daß Frau Dr. Scheuer-Karpin erst später erfuhr, daß Lämmchen von einen Pfleger aus Königsberg mitgebracht wurde. Sie hatte sich immer über ihren gepflegten Zustand gewundert und deshalb nach dem Ursprung geforscht. Von Kater Munk erfuhr die Ärztin erst Jahrzehnte später.)

"Ich nannte sie Lämmchen; die Beine machten wegen des anliegenden Fells einen dünnen Eindruck, das Profil zeigte einen leicht gebogene Nase, und wenn ich ihr beim Streicheln die Ohren seitlich hinunterdrückte, so sah sie tatsächlich einem Lamm ähnlich. Dazu fehlte der bei anderen Katzen kühn ausladende Schnurrbart, der ihnen manchmal solch einen Ausdruck gibt.

Als ihren Jungen sich selbständig gemacht hatten und sie keine mütterlichen Pflichten mehr hatte, nahm sie Besitz von dem neuen Domizil und dachte nicht mehr daran es zu verlassen. Die Wohnung lag im ersten Stock, die Fenster von Küche und Bad waren in ein Schrägdach eingesetzt, unter dem die Dachrinne lag; dort stützte ich eine kleine Leiter auf, so daß Lämmchen jederzeit bei offenem Fenster Auslauf hatte. Tagsüber war sie auf sich alleine angewiesen.

Nach einigen Wochen aber bekam sie einen Gefährten, es war ein kleiner Katerfindling und ebenso schwarz wie sie, mit einem kleinen weißen Fleck unter dem Kinn. Ohne weitere Umstände adoptierte sie ihn und lehrte ihn Katzenmanieren. Blackie, wie er hieß, entwickelte sich zu einem kräftigen Kater, pflegte als heranwachsender Jüngling auch Nächte im Freien zu verbringen, doch versäumte er seine häuslichen Pflichten keineswegs: Lämmchen brachte im April 1952Frau Dr. Scheuer-Karpin 1952 mit Lämmchens Nachwuchs (normalhaarige Kitten), Archivaufnahme Sch.-Karpin vier schwarze Kätzchen zur Welt, die ein normales Fell hatten.

Lämmchens Vorfahren waren unbekannt. Das wellige Fell konnte Resultat einer Mutation sein, und zwar entweder bei ihr selbst oder bei ihren Vorfahren." (Siehe Kater Munk.) Eine neue Eigenschaft als Resultat einer Mutation ist erblich, der Erbgang jedoch meist rezessiver Natur. Das heißt, daß die Nachkommenschaft eines Tieres mit der neuen Eigenschaft diese nur dann zeigt, wenn der Partner zumindest ein Gen dieser Eigenschaft trägt das sich mit dem des anderen Tieres paaren kann. Ist nur ein einziges Gen im Nachwuchs vorhanden, so bleibt das Aussehen, der Phänotyp, normal. Trotzdem wird solch ein normal aussehender Genträger mit einem anderen Genträger imstande sein, Tiere mit der neuen Eigenschaft hervorzubringen.

Da Blackie ein Findling aus Sachsen war, und Lämmchen ihn fortan als ihren regulären Partner akzeptierte, war der Beweis für die Erblichkeit des welligen Fells aus den nunmehr regelmäßigen Paarungen der Beiden nicht möglich. In jedem Frühling und in jedem Herbst gab es vier schöne schwarze ganz normal aussehende Kätzchen.

Alle Kätzchen fanden ihre neuen Familien, wenn auch mit zunehmender Schwierigkeit - der Bekanntenkreis meiner Mitarbeiter war zwar groß, doch die Voraussetzungen zum Halten einer Katze meist nicht vorhanden. Die beiläufig 48 Kätzchen, die Lämmchen und Blackie bis 1956 produziert hatten, befanden sich in und um Berlin, Ost und West, Dresden, Weimar und anderen Orten. Sie waren alle fragliche oder sichere Genträger - doch fehlte der Beweis noch immer, denn Lämmchen hatte sich im Frühjahr 1953 geweigert einen ihrer inzwischen erwachsenen Söhne als Partner zu akzeptieren.
Als ich über Lämmchen und ihr Aussehen im Verein der Katzenzüchter in Berlin berichtete, stieß ich auf mangelndes Interesse und fand kein Vereinsmitglied bereit ein Kätzchen zu nehmen."

(Mein Beitrag dazu: Schon immer wusste das Ausland bzw. Amerika solche Raritäten mehr zu schätzen als die Deutschen. Cornish und Devon Rex nahmen dort im Verlaufe der Jahre auch eine hervorragende Entwicklung. Die Ur-German Rex hatte kein "schlechteres" Aussehen. Im Gegenteil! Oder lag das Entwicklungsproblem dieser einzigen deutschen Katzenrasse evtl. an der Spaltung Deutschlands? Die Rexe waren überwiegend im Ostteil.)

Kallibunker, erster Cornish Rex Kater"1953 schrieb meine Freundin, eine Naturwissenschaftlerin in London, daß einige englische Tageszeitungen Berichte über die Entdeckung eines lockigen Katers in Cornwall gebracht hätten. Der Genetiker, der sich mit dem Studium dieser neuen Felleigenschaft befasste, Mr. Jude, nannte sie Rex - Eigenschaft. Sie war zwar bei Nagern, doch nie bei Katzen beschrieben worden. Frühere Veröffentlichungen über das Rex-Gen bei anderen Tieren stammten von Professor Nachtsheim (Deutschland) und Professor Letard (Frankreich). Mr. Jude war dabei seine Studien im Journal of Genetics zusammen mit Mr. Searle zu publizieren, als er durch meine Freundin von Lämmchen erfuhr; er war äußerst interessiert und bat um Haarproben und Photos, die er erhielt und analysierte. Das Resultat der arbeit erschien im Druck im Jahre 1956. Leider war der Beweis der Erblichkeit noch ausständig, denn Lämmchen lehnte mit beharrlicher Hartnäckigkeit sämtliche Annäherungsversuche ihrer diversen Söhne ab; ich hatte den Versuch wiederholt unternommen.

Blackie aber wurde im Herbst 1956 bei einem seiner Ausflüge von Katzenfeinden getötet. Lämmchen blieb den folgenden Winter alleine. Als sie im Januar 1957 Sehnsucht nach Liebe äußerte, brachte ich Fridolin zu ihr, der im Jahre 1955 von ihr geboren worden war. Doch sie lehnte ihn kategorisch ab. Der Versuch mit Fridolin wurde im Februar 1957 wiederholt: Ich setzte beide in mein Badezimmer und ließ sie eine Zeit lang dort, samt Katzentoilette und Baumstamm. Schließlich war es Fridolins Beharrlichkeit gelungen seiner Mutter Hemmungen zu überwinden. Fridolin kehrte als Sieger in sein Heim zurück und Lämmchen brachte am 2. April 1957 vier schwarze Junge zur Welt, von welchen eines ein normales Fell hatte, drei jedoch wunderschöne Wellen aufwiesen. Leider starb das Lockenweibchen nach einigen Tagen, die anderen beiden Sputnik, ein Sohn von Lämmchen, Züchter: Frau Dr. R. Scheuer-KarpinRexkätzchen waren männlichen Geschlechts. Eines davon fand ein gutes Heim in Berlin-Karow und erhielt den Namen Sputnik, nach dem ersten russischen Satelliten, der damals in alle Munde war. Sputnik bewegte sich völlig frei in seinem Wohnort und muss zahlreiche Nachkommenschaft hervorgebracht haben. Da er ein homozygoter Rexträger war, sind alle seine Söhne und Töchter Träger des Gens, wie die von Lämmchen.
Der andere Rexkater aus diesem Wurf sollte zu Mr. Jude (England)  kommen; meine Freundin nahm ihn bei einem Besuch mit, das Tierchen musste, den hiesigen (damaligen) Gesetzen folgend, in Quarantäne gehen. Nach ca. 6 Wochen erhielt sie die Nachricht, daß es gestorben sei - vermutlich an einer Infektion, bei mangelnder Pflege. Denn das vier Monate alte Katerchen war völlig gesund gewesen, als meine Freundin es bei der Landung abgeben musste.

Unter Lämmchens Anbetern, die ihr Ständchen brachten, war ein orangefarbener Kater, der in der benachbarten landwirtschaftlichen Genossenschaft (DDR) zu Hause war; solange sie ihren Blackie gehabt hatte, ignorierte sie ihn. Jetzt aber, im Sommer 1957, ließ sie sich bei einem ihrer Spaziergänge im Garten zu einem Flirt überreden. So hatte sie Ende August drei normalfellige Junge, von denen ich das Männchen behielt und die beiden weiblichen Kätzchen an Bekannte abgab.
Der kleine Kater war ebenfalls schwarz und bekam deshalb den Namen Blackie II.
Blackie II, Sohn und Gefährte von Lämmchen, Züchter und Foto: Frau Dr. Scheuer-KarpinDer zweite Blackie wuchs heran und wurde ein schöner und völlig häuslicher Kater, der nie die Wohnung verließ - sie war seine einzige Welt, und Lämmchen seine einzige Katzengesellschaft. Sie gab bei zunehmenden Alter ihre Spaziergänge im Garten auf, zumal sie ja ihren Sohn und Gefährten bei sich hatte. So gab es am 11. August 1958 wiederum vier junge, wovon zwei weibliche Rexkätzchen und zwei normalfellige Katerchen waren, alle schwarz mit je einem kleinen weißen Fleck unter dem Kinn oder zwischen den Hinterbeinen. Eines der Lockenkätzchen wurde zum Liebling der Familie eines Mitgliedes von Radio Berlin, das andere, Curlie genannt, bekam eine Schwester der Klinik, die in der benachbarten Vorstadt wohnte. Alle Kätzchen gediehen, wuchsen heran und keines wurde kastriert, auch die normalfelligen blieben volle Kater, die ihre Gene weitergaben.

Am 25. März 1959 gab es einen Rexkater und ein normalfelliges Weibchen; Rex kam nach Neubrandenburg, Regina blieb in Berlin. Für die im folgenden Juli geborenen Tierchen konnte ich nur mit größter Schwierigkeit Abnehmer finden. Ich schrieb an Professor Nachtsheim, der zwar interessiert war und um Photos bat - die er erhielt, doch konnte er keine Kätzchen unterbringen.
Professor Letard, damals Präsident des französischen Cat Club, war äußerst interessiert gleich zwei Rexkätzchen zu haben; die am 10. März 1960 geborenen beiden Kätzchen, eines männlich, eines weiblich, gingen Ende Juli per LOT (polnische Fluggesellschaft) von Berlin-Schönefeld nach Paris ab. Eine Tragödie war die Folge dieses Transportes: Die Stewardess, der der Korb mit den Kätzchen anvertraut worden war, vergaß ihn in Paris auszuladen. Professor Letard hatte am Flugplatz vergeblich gewartet und er telegraphierte mir sofort, daß die Kätzchen nicht eingetroffen seien; meine Nachforschungen in Berlin führten zum Fund des Korbes in Warschau. LOT sandte ihn dem nächsten nach Zürich, von wo die Kätzchen endlich nach Paris und in Professor Letard's Hände gelangten - doch bereits in einem sehr schlechten Zustand, mit Nekrrosen an den Pfoten, infolge Kälte und Schmutz. Das Weibchen Cleopatra starb trotz sofortiger Behandlung an den Folgen der erlittenen Wunden. Der Kater (von Frau Dr. Cäsar genannt) erholte sich, wurde seiner Abenteuer Marco Polo (um)genannt und im Oktober 1960 in Paris der Öffentlichkeit als German Rex vorgestellt. Es soll eine Sensation unter Katzenfreunden gewesen sein, wie ich erfuhr, und vor seinem Käfig stand man in Schlange an.

Doch abgesehen von dem Publikumserfolg wurde Marco erklärter Liebling im Hause des Professors; seine Anhänglichkeit und Intelligenz wurden besonders gerühmt.Marco Polo, erster Rex in Frankreich, Sohn von Lämmchen und Blackie II., Züchter : Frau Dr. R. Scheuer-Karpin, Besitzer und Foto: Prof. Letard, Paris
Professor Letard begann ein systematisches Zuchtprogramm, wobei er Inzucht nur in jeder oder dritten Generation anwandte, und so eine Degeneration der Linie vermied. Marco's Partnerinnen waren blond oder blau, sodass es schließlich blonde und blaue Rexkatzen als Urenkel meiner beiden Schwarzen gab. Als ich nach einigen Jahren Gelegenheit hatte Professor Letard zu besuchen, durfte ich eine schneeweiße Kätzin mit herrlichen Rexfell bewundern, die Marco's Ur-, Ur,- Urenkelin war.
Nun brachte auch die französische Presse Nachrichten über Rexkatzen, diesmal waren es jedoch German Rexkatzen. In der Folge kamen aus vielen Ländern, die sich nach den Katzen erkundigten oder solche zu haben wünschen.
Lämmchen und Blackie II waren ebenso erfolgreich in der Produktion wie vorher Lämmchen und Bläckie I, nur, daß jetzt gemäß der Regel über den rezessiven Erbgang nach Gregor Mendel, 50% des Nachwuchses auch im Phänotyp, d.h. in der äußeren Erscheinung, das wellige Fell aufwiesen, da ja der Vater das Gen besaß.
Unter den Interessenten war eine amerikanische Züchterin, Mrs O'Shea; ich hatte zu diesem Zeitpunkt alle lockigen Kätzchen verschenkt und hatte nur noch heterozygote bei mir. Kurz danach traf ein überraschender Besuch ein: ein junger Wissenschaftler aus Amerika ließ sich bei mir melden, er wolle die Rexkatzen sehen. Als er kam, sagte er mir, daß seine
Mrs. O'Shea mit Christof Columbus, erster Rexkater in Amerika, Züchter: Frau Dr. R. Scheuer-Karpin, Besitzer und Foto: Mrs O'SheaMutter mit Mrs O'Shea bekannt sei und das beide Damen an einer Zucht von Rexkatzen interessiert seien. Und da er gerade eine Weltreise gemacht hatte, benutzte er den Aufendhalt in Berlin zu diesem Abstecher, bevor er zurück nach Hause flog. Wenn möglich sollte er zwei Kätzchen gleich mit sich nehmen. Und da er sich durch Augenschein überzeugt hatte, daß die Mutter des heterozygoten Tierchens lockig war, nahm er es mit, zusammen mit einem gleichfalls normalfelligen Tierchen, das Schwester Gertraude Knuth gehörte, die es von Curlie hatte (siehe oben). Schwester Gertraude begann ihre Zucht gemäß meinen Ratschlägen, ihre Curlie hatte Junge mit einem "gewöhnlichen" Hauskater, und von dessen Nachwuchs behielt sie einen Kater zur Inzucht beim nächsten Mal. Das heteriozygote Tier von Curlie war also ein geeigneter Partner für das von Lämmchen, denn die Väter waren gute Mischungen. Nur stellte es sich etwas später heraus, daß beide Kätzchen weiblich waren! Das war aber leicht zu korrigieren, denn sowohl Lämmchen mit Blackie als auch  Schwester Gertraudes Curlie hatten regelmäßig gesunden Nachwuchs. Der nächste reine Rexkater war Mrs O'Shea versprochen worden, er überflog den Atlantischen Ozean ohne Zwischenfälle und wurde dort bei der nächsten Ausstellung als erster Rex in Amerika gezeigt; dementsprechend hieß er Christof Columbus und wurde Panamerican Champion. Insgesamt sandte ich elf Kätzchen im Laufe der nächsten Jahre nach Amerika, homozygote sowohl wie heterozygote, und beide Damen pflegten mir über die Erfolge ihrer Zucht schriftlich zu berichten.

Aus dem hier erzählten geht hervor, wie zahlreich Lämmchens Nachwuchs war; wer weiß, wie viele heterozigote Katzen Berlin und Umgebung bevölkerten, noch bevor sie im Jahre 1951 zu mir gekommen war? Von den zwischen 1952 und 1963 teils hetero-, teils homozygoten, die ich innerhalb Deutschlands verschenkt hatte, sind nur sehr wenige kastriert worden, alle Kater werden somit zur Verbreitung des Rex-Gens beigetragen haben.

Als mir im Jahre 1960 eine Bekannte in Berlin-Buch erzählte, sie hätte bei ihrem Kohlenhändler einen Kater gesehen, der meinem Lämmchen ähnlich sah, war ich nicht sehr erstaunt. In der Tat zeigte er alle körperlichen und sogar charakterlichen Merkmale Lämmchens, als ich ihn aufsuchte. Der Kohlenhändler hielt ihn als Mauser (zum Mäuse fangen), er hatte das Tier von Bekannten in Berlin erhalten, und das Muttertier soll eine verwilderte Katze gewesen sein, die normal aussah - natürlich muß sie ein Rex-Gen getragen haben, wie auch ihr Partner - doch war dies verwunderlich, nach dem bisher Gesagten?

Schwester Gertraude überredete den Kohlenhändler sich von seinem Schnurzel, wie er hieß,Schnurzel, ein gelockter Findling aus Berlin, vermutlich ein Nachfolger von Lämmchen. Er wurde ein Gefährte von Lämmchens Tochter Curlie. Foto: Knuth/Scheuer-Karpin, 2. Besitzer: Knuth zu trennen und so er wurde Curlie's Gefährte. Von diesem Zeitpunkt an hatte Curlie einige Male je vier reine Rex-Kätzchen; leider verlor Gertraude den Kater bald, er fand dasselbe Ende wie Blackie I.
Schnurzel hatte denselben Bau wie Lämmchen, das gleiche zarte, regelmäßige gewellte schwarze Fell mit vereinzelten weißen Haaren darin, "gedrehte" Schnurrhaare, und war ebenso intelligent und etwas eigensinnig wie sie. Später, als Berichte aus Amerika über die dort gezüchteten Rex Katzen eintrafen, fand sich meist dieselbe Charakterisierung. Professor Letard hatte spezielle Geschichten über die von ihm Bekannte abgegebenen Kätzchen geschrieben und publiziert.

Ich konnte weder bei Lämmchen noch ihrem Nachwuchs einen Letalfaktor finden. Sie besaßen ein anliegendes Fell, dem die Oberhaare fehlen (Grannenhaare). Lämmchen und auch Curlie, veränderten im Sommer ihre Farbe in ein tiefes Schokoladenbraun, das bei Sonnenlicht sehr hübsch aussah, mit einem metallischen Kupferschimmer. Mit dem Herbst kehrte die schwarze Farbe zurück. Eine weitere Eigenart, die Farbe betreffend, war das flüchtige Auftreten eines silbrigen Scheins am Kopf und Rücken ganz junger Kätzchen, während sie noch saugten; dieser zarte Glanz verlor sich aber bald.

Die German Rex hatte es in Deutschland schwer; niemand wollte etwas von ihr hören und sogar beim Verschenken der vielen Kätzchen wurden meist die glatthaarigen den ondulierten vorgezogen. Doch als sich nach der Pariser Ausstellung der Ruf Marco's durchsetzte, begann es sich in Katzenzüchterkreisen zu regen. Es kamen Briefe aus Deutschland und nicht nur aus dem Ausland. Und als Schwester Gertraude ihre Kätzchen im Jahre 1964 in Dresden zeigte, hatte auch einer der frühere Verächter (Herr Barensfeld) meines Lämmchens schon seine Haltung geändert und begann mit Kätzchen, die er von Gertraude kaufte, sein Zuchtprogramm. !965 erschienen Rexkätzchen, die von Lämmchen stammten, auf der Berliner Ausstellung. Lämmchens letztes Junge war die im Jahre 1962 geborene Cleopatra, die ihren Geschwistern nach den USA folgte. Sie war nun eine gesetzte alte Dame und ignorierte Blackie's Annäherungsversuche.

Im Sommer 1964 zeigte sich eine zystische Geschwulst auf der Brust, die chirurgisch entfernt wurde. Die Operationsnarbe heilte gut, Lämmchen erholte sich zusehends, sie fraß und ließ sogar Blackie an sich heran. Doch dann wurde sie zunehmend schläfriger, und im Dezember ließ der Appetit nach, sie verfiel, bis sie sich kaum selbst bewegen konnte - doch blieb sie zu ihrem Ende peinlich sauber. Sie starb am 19. Dezember 1964.

Blackie II blieb nun alleine in der Wohnung, die er nach wie vor nie Verließ; er wurde ein menschlicher Kater und völlig an mich gebunden. Als ich 1970 Berlin verließ, war der Abschied geradezu tragisch, obgleich er eine liebevolle Aufnahme bei einer netten Familie gefunden hatte. Er soll sich, gemäß den Briefen, die ich erhielt, nach einigen Wochen von seiner Depression erholt haben, und ein normaler Kater geworden sein; das will bedeuten, daß er sich im Garten und dessen Nachbarschaft erging und dort auch Damenbekanntschaften machte. So hat er noch zum Schluss zur Verbreitung des Rex-Gens beigetragen. Ich erfuhr, daß er im April 1973 gestorben sei, er war noch nicht 16 Jahre alt als er starb.

 

Einige Nachweise aus meinen Papieren:
1) A.G. Searle and A.C. Jude: The Rex type of coat in the domestic cat. J. of Genetics, vol. 54, no 3; pp; 506-512. 1956
2) Correspondence with Mr. Jude until his death in 1960,
3) Correspondence with Mrs O'Shea and Mrs Muckenhoupt, USA
4) Professor Etienne Letard: Un chat nomme Rex. Nature Magazine, Avril 1965, pp. 32-35.
5) Professor Etienne Letard: Le chat ondule. Le Journarl de Mickey, no 807, 1967.
6) R. Scheuer-Karpin: Über die Auffindung und Reinzüchtung der German Rex. Die Edelkatze, Juni 1964, pp.4-5.
7) Adolf Suchsdorf, in National Geographie, 1964, April: The Cats in our Lives. Vol.125, no. 4; page 540.
8) Katalog der 1. Internationalen Rassekatzenausstellung in Berlin 1965.
9) Rosemarie Wolff: Katzen. Darin wiederholter Bezug auf German Rex und Photo von Marco Polo. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1970.

Autor des Textes: Dr. Rose Scheuer-Karpin"

 

 

 



Nachwort

Auf beiden Seiten Deutschlands dauerte es Jahre, bis sich mehrere Mitzüchter fanden. Erst 1982 wurde diese Mühe mit der Anerkennung in der FIFe und mit einem Standard belohnt.
(siehe Standard)


          

Die "alte" Geschichte der German Rex haben Sie nun ausführlich kennengelernt, aber dennoch muss man sagen, daß es noch keine andere Rasse so schwer hatte, sich in der Züchterszene durchzusetzen. Oftmals war es Arbeit im Alleingang. Die bekanntesten Catterys von damals waren: "vom Grund" (Fam. Barensfeld), "von Zeitz" (Fam. Wöllner), "vom Jagdrain" (Fam. Kania), später "vom Hause Hamann" (Fam. Hamann), "von Assindia" mit Frau Hackmann. Sie fand in Lanzarote einen rot-weiß getigerten Kater Namens "Locki-Lanzerote" und baute mit ihm ihre Zucht auf. Keineswegs zu vergessen in diesen Reihen ist Frau Schwarzenbach (Cattery "The Frizzled Frolic") in der Schweiz. Hinzufügen möchte ich auch an dieser Stelle die Zucht "vom Glücksanger/Glücksklee" (Fam. Glück) mit ihrer ersten Si-Rexzucht. 


Zukunft

Inzwischen waren wir mit der Zucht fast wieder am Anfang angelangt, obwohl vor ca. 15 Jahren alles so gut begann. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sich bisher so wenige Züchter und Katzenfreunde für diese wunderschöne Rasse begeistern konnten.
Seit unserem "Neubeginn" melden sich, es gleicht einem Wunder, immer mehr Interessenten aus dem In- und Ausland.
Ein Wunder? Für mich eigentlich nicht! Diese Katzen sind nicht nur hübsch anzusehen, nein, sie haben auch eine sehr hohe Lebenserwartung. Außerdem sind sie pflegeleicht, denn sie haaren kaum, sie sind ruhig und gesellig. Also auch recht gut für die Wohnungshaltung geeignet. Außerdem besitzen sie fast perfekte Schnurrhaare.
Seit 1999 haben sich nach vielen Bemühungen und Werbeaktionen wieder einige Züchter zum Erhalt dieser Rasse gefunden. Wir freuen uns über jedes Zuchtmitglied. Jedoch muss man etwas Geduld mitbringen. 

Wir "Neuzüchter" dieser Rasse möchten nun auch unsere ganze Kraft, Erfahrung und Wissen in diese nicht einfache Aufgabe stecken, um nun endlich das zu erreichen, was unsere Vorgänger mit größten Bemühungen anstrebten und für uns vorarbeiteten.

Eine weitere German Rex Zucht befindet sich bereits in Finnland und in der Schweiz.



Fotos veröffentlicht mit Genehmigung   



 


 

11.09.07
© Dr. R. Scheuer-Karpin & I. Jänicke